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Was möchtest du hierlassen? Eine Naturcoaching-Übung zum Loslassen

Von HolidayCoaching ·

✦ KI-generiertes Bild

Manche Dinge tragen wir erstaunlich lange mit uns herum.

Ein Gespräch, das längst vorbei ist. Eine Enttäuschung. Eine Entscheidung, die wir heute anders treffen würden. Eine Erwartung an uns selbst. Oder eine Aufgabe, bei der wir schon seit Monaten denken: Eigentlich möchte ich das nicht mehr.

„Dann lass es doch einfach los“, lautet ein gut gemeinter Rat.

Nur funktioniert Loslassen selten auf Kommando.

Mit dieser Naturcoaching-Übung versuchst du deshalb nicht, einen Gedanken oder ein Gefühl loszuwerden. Stattdessen machst du sichtbar, was du gerade mit dir herumträgst – und entscheidest bewusster, wie du damit weitergehen möchtest.

Was bedeutet Loslassen überhaupt?

Loslassen wird manchmal so beschrieben, als könnten wir einen unangenehmen Gedanken einfach aus dem Kopf entfernen.

Aus psychologischer Sicht ist das problematisch. Der bewusste Versuch, bestimmte Gedanken nicht zu denken, kann dazu führen, dass sie später sogar verstärkt wieder auftauchen. In der Forschung wird dieser Effekt unter anderem als Rebound-Effekt der Gedankenunterdrückung beschrieben.

Für diese Übung bedeutet Loslassen deshalb etwas anderes:

Du musst nichts vergessen. Du musst nichts verdrängen. Und du musst nichts gut finden.

Du schaust dir vielmehr an, was dich beschäftigt, und prüfst, welchen Platz es weiterhin in deinem Leben bekommen soll.

Was du für die Übung brauchst

  • etwa 20 bis 30 Minuten Zeit,
  • einen ruhigen Weg in der Natur,
  • einen kleinen Stein, den du unterwegs findest,
  • ein Thema, das dich immer wieder beschäftigt.

Bitte nimm dafür nur einen losen Stein vom Boden und lege ihn am Ende wieder in der Natur ab. Pflanzen, Äste oder andere Bestandteile der Umgebung musst du für diese Übung nicht mitnehmen oder verändern.

Schritt 1: Geh zunächst einfach los

Beginne deinen Spaziergang, ohne sofort über dein Thema nachzudenken.

Geh einige Minuten.

Schau dich um. Spüre dein Tempo. Nimm wahr, was gerade da ist.

Erst danach stellst du dir die Frage:

Was trage ich momentan mit mir herum, obwohl ich es eigentlich nicht mehr ständig tragen möchte?

Lass dir Zeit mit der Antwort.

Schritt 2: Such dir einen Stein

Wenn dein Thema etwas klarer geworden ist, such dir einen kleinen Stein am Wegesrand.

Nimm ihn für eine Weile in die Hand.

Der Stein steht während dieser Übung für das, was dich beschäftigt.

Das kann beispielsweise sein:

  • eine Enttäuschung,
  • ein alter Konflikt,
  • ein Fehler, den du dir immer noch vorhältst,
  • eine Erwartung, die du erfüllen möchtest,
  • eine Aufgabe, die längst nicht mehr zu dir passt,
  • oder ein Gedanke, zu dem du immer wieder zurückkehrst.

Der Stein soll das Thema nicht „magisch aufnehmen“. Er macht lediglich etwas, das bisher nur in deinen Gedanken existiert hat, für einen Moment sichtbar und greifbar.

Schritt 3: Trag den Stein ein Stück mit dir

Geh nun einige Minuten weiter und behalte den Stein in der Hand.

Währenddessen kannst du dir einige Fragen stellen:

  • Seit wann beschäftige ich mich damit?
  • Was genau belastet mich daran?
  • Warum halte ich daran fest?
  • Hat dieses Thema heute noch dieselbe Bedeutung wie damals?
  • Gibt es etwas, das noch geklärt oder getan werden muss?

Die letzte Frage ist besonders wichtig.

Denn nicht alles, was wir gerne „loslassen“ möchten, sollte einfach beiseitegelegt werden.

Manchmal braucht es ein Gespräch. Eine Entschuldigung. Eine Entscheidung. Eine Grenze. Oder einen konkreten nächsten Schritt.

Schritt 4: Was gehört zu dir – und was nicht?

Bleib an einem ruhigen Ort stehen.

Schau den Stein an und unterscheide zwischen zwei Fragen:

Was kann ich an dieser Situation noch beeinflussen?

und:

Was liegt nicht mehr in meiner Hand?

Vielleicht kannst du ein Gespräch führen, aber nicht bestimmen, wie der andere darauf reagiert.

Vielleicht kannst du aus einem Fehler lernen, aber ihn nicht ungeschehen machen.

Vielleicht kannst du deine Erwartungen verändern, aber nicht die Vergangenheit.

Diese Unterscheidung kann wichtiger sein als die Frage, ob du etwas „loslassen kannst“.

Schritt 5: Entscheide, was du mitnehmen möchtest

Jetzt kommt der entscheidende Teil der Übung.

Frage dich:

Was davon möchte ich weiter mitnehmen – und was brauche ich nicht mehr ständig zu tragen?

Vielleicht möchtest du die Erfahrung behalten, aber nicht den täglichen Ärger.

Vielleicht möchtest du die Verantwortung für deinen Anteil übernehmen, aber nicht länger die Verantwortung für die Reaktion eines anderen.

Vielleicht möchtest du dich an einen Menschen erinnern, ohne jeden Tag gegen die Tatsache anzukämpfen, dass etwas vorbei ist.

Loslassen muss nicht bedeuten, alles zurückzulassen.

Manchmal geht es darum, anders weiterzutragen.

Schritt 6: Leg den Stein wieder ab

Wenn du einen passenden Ort findest, leg den Stein wieder dort ab, wo er in die Umgebung passt.

Du musst daraus kein großes Ritual machen.

Kein Werfen. Kein dramatischer Abschied. Kein Satz, den du unbedingt sagen musst.

Leg ihn einfach ab.

Und bleib einen Moment stehen.

Vielleicht stellst du fest, dass sich etwas verändert hat. Vielleicht auch nicht.

Beides ist in Ordnung.

Schritt 7: Geh ohne den Stein weiter

Geh anschließend noch einige Minuten weiter.

Jetzt kannst du dir drei letzte Fragen stellen:

  1. Was möchte ich aus dieser Erfahrung behalten?
  2. Was möchte ich nicht länger jeden Tag mit mir herumtragen?
  3. Gibt es etwas Konkretes, das ich nach diesem Spaziergang tun möchte?

Gerade die letzte Frage verhindert, dass „Loslassen“ zum Ausweichen wird.

Wenn noch etwas getan werden muss, darfst du es tun.

Wenn nichts mehr getan werden kann, kannst du überlegen, wie viel Raum du dem Thema zukünftig geben möchtest.

Warum draußen?

Für diese Übung brauchst du die Natur nicht, weil ein Wald Probleme lösen könnte.

Die Umgebung erfüllt eine viel einfachere Funktion: Du verlässt für eine Weile den Ort, an dem du normalerweise über dein Thema nachdenkst. Du bewegst dich, deine Aufmerksamkeit richtet sich zwischendurch auf deine Umgebung und du kannst dein Thema aus einer etwas anderen Perspektive betrachten.

Forschung zu Naturerfahrungen liefert Hinweise darauf, dass ein Spaziergang in natürlicher Umgebung Grübeln reduzieren kann. Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Waldspaziergang automatisch psychische Belastungen auflöst.

Für eine Coaching-Übung reicht eine bescheidenere Erwartung:

Vielleicht entsteht draußen ein wenig mehr Raum zwischen dir und dem Gedanken, der dich beschäftigt.

Loslassen heißt nicht vergessen

Vielleicht nimmst du nach der Übung sogar etwas von deinem Thema wieder mit.

Eine Erinnerung. Eine Verantwortung. Eine Erkenntnis.

Das widerspricht der Übung nicht.

Denn Loslassen bedeutet nicht zwangsläufig, dass etwas verschwinden muss.

Manchmal bedeutet es nur, dass wir aufhören, jeden Tag mit beiden Händen daran festzuhalten.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich bei der Übung wirklich einen Stein verwenden?
Nein. Der Stein dient lediglich dazu, ein abstraktes Thema für einen Moment sichtbar und greifbar zu machen. Wenn sich das für dich nicht passend anfühlt, kannst du die Übung auch ohne Gegenstand durchführen.
Was ist, wenn ich das Thema nach der Übung nicht loslassen kann?
Das ist kein Scheitern der Übung. Loslassen lässt sich nicht erzwingen. Ziel ist zunächst, genauer zu erkennen, was dich beschäftigt, was du noch beeinflussen kannst und was möglicherweise nicht mehr in deiner Hand liegt.
Kann Gedankenunterdrückung beim Loslassen helfen?
Der bewusste Versuch, einen bestimmten Gedanken überhaupt nicht mehr zu denken, kann nach hinten losgehen. Untersuchungen zeigen sogenannte Rebound-Effekte, bei denen unterdrückte Gedanken später verstärkt auftreten können. Sinnvoller kann es sein, einen Gedanken wahrzunehmen und den eigenen Umgang damit zu betrachten.
Für welche Themen eignet sich die Übung nicht?
Die Übung ist als einfache Selbstreflexion gedacht. Bei starken oder anhaltenden psychischen Belastungen, traumatischen Erfahrungen oder akuten Krisen ist eine solche Selbstcoaching-Übung kein Ersatz für professionelle psychotherapeutische oder medizinische Unterstützung.

Quellen

  1. Bratman et al. (2015): Experimentelle Studie zum Einfluss eines 90-minütigen Spaziergangs in einer natürlichen Umgebung auf Grübeln. Die Naturgruppe berichtete anschließend weniger Rumination als die Vergleichsgruppe in städtischer Umgebung.
  2. Wang et al. (2020): Meta-Analyse zu den paradoxen Effekten bewusster Gedankenunterdrückung. Die Untersuchung bestätigt insbesondere Rebound-Effekte nach dem Versuch, bestimmte Gedanken zu unterdrücken.
  3. Wegner (2011): Überblick über die Forschung zur Unterdrückung unerwünschter Gedanken und die Schwierigkeiten, Gedanken willentlich aus dem Bewusstsein zu verbannen.
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