Naturcoaching-Übung: Mit drei Perspektiven neue Lösungen finden
Manche Fragen drehen sich im Kreis. Wir denken darüber nach, wägen dieselben Argumente ab und kommen trotzdem nicht weiter.
Dann kann es helfen, nicht nur gedanklich die Perspektive zu wechseln, sondern ganz konkret den eigenen Standort.
Für diese einfache Naturcoaching-Übung brauchst du nur eine Frage, etwas Zeit und einen Ort draußen, an dem du dich bewegen kannst.
Die Idee: Eine Frage aus drei Blickwinkeln betrachten
Wenn wir über ein Problem nachdenken, bleiben wir häufig nicht nur gedanklich, sondern auch körperlich an derselben Stelle.
Bei dieser Übung machst du das Gegenteil. Du suchst dir drei unterschiedliche Plätze und nimmst deine Frage mit.
Das kann ein Weg durch einen Park oder Wald sein, eine Runde um einen See oder ein Spaziergang durch eine ruhige Landschaft.
Die drei Orte sollten sich möglichst unterscheiden. Zum Beispiel ein weiter Ausblick, ein geschützter Platz und eine Wegkreuzung.
Schritt 1: Formuliere deine Frage
Bevor du losgehst, überlege dir eine Frage, mit der du dich beschäftigen möchtest.
Sie sollte offen formuliert sein und nicht nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können.
Zum Beispiel:
- Was brauche ich, damit sich meine Situation verbessert?
- Welche Möglichkeit übersehe ich bisher?
- Was wäre ein guter nächster Schritt?
- Was hält mich gerade zurück?
- Was möchte ich verändern?
Du musst die perfekte Frage nicht sofort finden. Eine ungefähre Richtung reicht.
Schritt 2: Suche dir deinen ersten Standort
Gehe ein Stück und suche dir einen Platz, an dem du für einige Minuten stehen oder sitzen kannst.
Schau dich zunächst um, bevor du über deine Frage nachdenkst.
Was siehst du? Was fällt dir auf? Ist der Ort offen oder geschlossen, hell oder dunkel, ruhig oder belebt?
Dann richte deine Aufmerksamkeit wieder auf deine Frage.
Was denke ich über mein Thema, wenn ich von hier darauf schaue?
Versuche nicht, sofort eine Lösung zu produzieren. Nimm zunächst wahr, welche Gedanken auftauchen.
Schritt 3: Wechsle den Ort
Jetzt gehst du weiter.
Suche bewusst einen Platz, der sich vom ersten unterscheidet. Wenn du zuerst auf einer offenen Fläche gestanden hast, könnte der zweite Ort beispielsweise geschützter sein. Warst du mitten im Wald, suchst du vielleicht einen Platz mit mehr Weite.
Stelle dir dort dieselbe Frage noch einmal.
Was sehe ich von hier anders?
Dabei geht es nicht darum, der Landschaft eine bestimmte Bedeutung zuzuschreiben. Interessant ist vielmehr, ob durch Bewegung, Umgebung und den bewussten Wechsel des Standorts andere Gedanken entstehen.
Schritt 4: Suche einen dritten Blickwinkel
Für den dritten Standort gehst du noch einmal weiter.
Vielleicht findest du eine Bank, einen Aussichtspunkt, eine Brücke, einen einzelnen Baum oder eine Wegkreuzung. Nimm einfach einen Ort, der deine Aufmerksamkeit weckt.
Betrachte deine Ausgangsfrage dort ein drittes Mal.
Diesmal ergänzt du eine weitere Frage:
Was habe ich an den ersten beiden Orten noch nicht gesehen?
Lass dir dafür ein paar Minuten Zeit.
Schritt 5: Geh weiter und zieh ein Fazit
Nach dem dritten Standort gehst du weiter, ohne einen vierten Platz zu suchen.
Jetzt geht es darum, die drei Perspektiven zusammenzubringen.
Frage dich beim Gehen:
- Welcher Gedanke ist neu?
- Was hat sich zwischen den drei Standorten verändert?
- Welcher Gedanke fühlt sich wichtig an?
- Was könnte ich als Nächstes konkret tun?
Du brauchst am Ende keine fertige Lösung.
Vielleicht reicht ein Gedanke, den du vorher noch nicht hattest. Oder du bemerkst, dass sich deine ursprüngliche Frage verändert hat.
Warum drei Perspektiven?
Ein einzelner Ortswechsel kann bereits neue Gedanken anstoßen. Drei Standorte zwingen dich aber dazu, nicht beim ersten neuen Einfall stehenzubleiben.
Der erste Blick entspricht vielleicht noch stark deinem bisherigen Denken. Der zweite bringt eine Alternative hinzu. Beim dritten kannst du überprüfen, ob es noch eine weitere Sichtweise gibt.
Die Zahl Drei ist dabei keine feste Regel. Sie gibt der Übung lediglich eine einfache Struktur.
Die Natur muss dir keine Antwort geben
Bei Naturcoaching-Übungen entsteht schnell der Eindruck, man müsse in einem Baum, einem Weg oder einer Landschaft eine Botschaft entdecken.
Das ist für diese Übung nicht notwendig.
Der Baum muss für nichts stehen und eine Wegkreuzung muss keine Entscheidung symbolisieren.
Die Umgebung dient zunächst einfach dazu, deinen gewohnten Rahmen zu verändern. Du bewegst dich, wechselst deinen Standort und stellst dieselbe Frage unter veränderten Bedingungen erneut.
Wann eignet sich die Übung?
Der Perspektivwechsel eignet sich besonders für Fragen, bei denen du das Gefühl hast, gedanklich festzustecken.
Das können berufliche Themen sein, persönliche Veränderungen oder Situationen, bei denen mehrere Möglichkeiten denkbar sind.
Bei sehr belastenden persönlichen oder psychischen Problemen ist eine Selbstcoaching-Übung dagegen kein Ersatz für professionelle Unterstützung.
Warum die Übung gut in den Urlaub passt
Im Urlaub bist du ohnehin in einer anderen Umgebung. Du kennst nicht jeden Weg und weißt häufig nicht genau, was hinter der nächsten Kurve kommt.
Genau das lässt sich für die Übung nutzen.
Du musst keine drei perfekten Orte planen. Geh los und entscheide unterwegs, wo du stehenbleiben möchtest.
Vielleicht führt dich der Spaziergang nicht unmittelbar zu einer Antwort. Aber möglicherweise schaust du danach etwas anders auf deine Frage.
Wenn du ein Thema nicht allein betrachten möchtest, kannst du bei HolidayCoaching auch einen einzelnen Naturcoaching-Termin im Urlaub buchen.
Kurz zusammengefasst
- Formuliere eine offene Frage.
- Gehe zu einem ersten Ort und betrachte dein Thema von dort.
- Wechsle zu einem deutlich anderen Standort und stelle dieselbe Frage erneut.
- Suche einen dritten Ort und frage dich, was du bisher übersehen hast.
- Gehe anschließend weiter und überlege, welchen Gedanken du mitnehmen möchtest.
Mehr brauchst du für diese Naturcoaching-Übung nicht.