Waldbaden in der Pfalz: RPTU startet Forschungskooperation mit Japans Shinrin-Yoku-Pionieren
Der Pfälzerwald wird zum Forschungsstandort für eine Praxis, die in Japan längst als anerkannte Gesundheitsmethode gilt: Shinrin-Yoku, im Deutschen als Waldbaden bekannt. Die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) hat dazu eine neue deutsch-japanische Forschungskooperation gestartet. Zum Auftakt war der emeritierte japanische Waldtherapieforscher Prof. Yoshifumi Miyazaki vier Tage lang an der RPTU zu Gast, unter anderem in Landau, Kaiserslautern und im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz mitten im Pfälzerwald.
Was hinter der Kooperation steckt
Das gemeinsame Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Heinz2O Stiftung gefördert. Untersucht werden sollen die psychologischen und physiologischen Effekte des Waldbadens, ergänzt um einen Ansatz, der in Deutschland noch selten erforscht ist: Waldbaden in Virtual Reality. Die Idee dahinter ist, herauszufinden, ob und wie stark sich beruhigende Effekte der Natur auch simulieren lassen, etwa für Menschen, die keinen Zugang zu echtem Wald haben.
Auf deutscher Seite bringt die RPTU zwei Standorte zusammen: die umweltpsychologische Expertise aus Landau und die sportwissenschaftliche Kompetenz aus Kaiserslautern. Geleitet wird das Projekt von der Arbeitsgruppe Umweltpsychologie unter Beteiligung der Sportwissenschaft und des Zentrums für Sport, Gesundheit und Wohlbefinden (ZSGW). Auf japanischer Seite sind Prof. Miyazaki und sein Kollege Dr. Ikei federführend beteiligt. Die Zusammenarbeit knüpft an langjährige wissenschaftliche Kontakte zwischen der RPTU und Japan an und ist Teil des Clusters „Nachhaltiges Leben in der Pfalz – Wald, Wein, Wissenschaft".
Während seines Besuchs hielt Prof. Miyazaki im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz, in Kooperation mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz, einen Vortrag zu Shinrin-Yoku und dessen Implikationen. Er zählt zu den Forschern, die die wissenschaftliche Untersuchung des Waldbadens in Japan über Jahrzehnte mit aufgebaut haben.
Warum Japan beim Waldbaden führend ist
Shinrin-Yoku bedeutet wörtlich „im Wald baden" und wurde 1982 von der japanischen Forstbehörde als Begriff geprägt. In den Jahrzehnten danach folgten umfangreiche, teils staatlich geförderte Forschungsprogramme, die sich mit der Wirkung von Waldaufenthalten auf Körper und Psyche befassten, unter anderem an der Chiba University, an der Prof. Miyazaki lange Jahre forschte. In Japan ist Waldtherapie heute fest im Gesundheitssystem verankert, es gibt spezialisierte Zentren und eine ärztliche Zusatzqualifikation in Waldmedizin. In Deutschland und im Rest Europas ist das Thema deutlich jünger und wird bislang vor allem von Kursleiter:innen, Achtsamkeitstrainer:innen und einzelnen touristischen Angeboten getragen. Wissenschaftlich fundierte Forschung wie jetzt an der RPTU ist hierzulande noch die Ausnahme.
Was das für den Pfälzerwald bedeutet
Der Pfälzerwald ist mit seiner Größe und den vielen ruhigen, wenig erschlossenen Flächen ein naheliegender Ort für diese Art von Forschung und für praktische Angebote. Schon jetzt gibt es in der Region einzelne Waldbaden-Kurse, etwa im Japanischen Garten Kaiserslautern oder über lokale Kursleiter:innen. Eine universitäre Forschungskooperation wie die der RPTU kann helfen, aus vereinzelten Angeboten eine wissenschaftlich begleitete Praxis zu machen und den Pfälzerwald als Ort für naturbasierte Gesundheitsangebote sichtbarer zu machen, auch über die Region hinaus.
Für alle, die sich beruflich mit Coaching, Natur und Erholung beschäftigen, ist das eine spannende Entwicklung. Naturbasierte Formate wie Outdoor Coaching setzen auf einen ähnlichen Grundgedanken wie Shinrin-Yoku: bewusstes Innehalten im Wald, weg vom Bildschirm, mit allen Sinnen. Eine wachsende Forschungsbasis kann solchen Angeboten künftig noch mehr Substanz geben, auch wenn Coaching und medizinisch begleitete Waldtherapie zwei unterschiedliche Dinge bleiben.