Warum der Wald uns bis heute anzieht
Ein uraltes Gefühl: Warum uns der Wald anzieht
Die Frage klingt banal, ist wissenschaftlich aber gar nicht so leicht zu beantworten: Warum zieht es uns in den Wald, obwohl wir ihn für unser Überleben längst nicht mehr brauchen? Der Biologe Edward O. Wilson lieferte 1984 mit seiner Biophilie-Hypothese eine Erklärung. Seine These: Menschen tragen eine angeborene Verbundenheit zur Natur in sich, entstanden über Jahrtausende, in denen das Überleben unmittelbar von der natürlichen Umgebung abhing. Unser modernes Leben in Städten und Innenräumen ist dagegen, evolutionär betrachtet, noch ein sehr junges Experiment.
Vom Sehnsuchtsort zur Kulturgeschichte
Diese Sehnsucht hat in der deutschen Kulturgeschichte einen eigenen Namen: Waldeinsamkeit. Geprägt hat den Begriff 1796 der Dichter Ludwig Tieck in seinem Kunstmärchen "Der blonde Eckbert", als Symbol für eine heile, in sich geschlossene Welt. Wenig später griff Joseph von Eichendorff das Motiv in seiner eigenen Dichtung auf und machte den Wald zum zeitlosen Sehnsuchtsort, als Gegenpol zur hektischen, vergänglichen Welt der Menschen. Was in der Romantik als literarisches Motiv begann, beschreibt bis heute ziemlich genau das Gefühl, das viele Menschen bei einem Waldspaziergang verspüren.
Was die Forschung über die Wirkung des Waldes weiß
Dass an diesem Gefühl mehr dran ist als reine Romantik, zeigen inzwischen zahlreiche Studien. Der japanische Mediziner Yoshifumi Miyazaki wies eine erhöhte Aktivität natürlicher Killerzellen des Immunsystems nach kurzen Waldaufenthalten nach. Eine Meta-Analyse mehrerer Studien bestätigt zusätzlich eine spürbar cortisolsenkende Wirkung. Wie wenig Zeit dafür nötig ist, zeigt eine Untersuchung der University of Michigan: Schon 20 bis 30 Minuten in einer naturnahen Umgebung reichen aus, um den Stresshormonspiegel messbar zu senken.
Warum uns das heute noch fehlt
Im Alltag beschäftigen sich die meisten Menschen vor allem mit abstrakten Anforderungen, Terminen, Nachrichten, Bildschirmen, für die unser Nervensystem evolutionär eigentlich nicht ausgelegt ist. Die Biophilie-Hypothese liefert dafür eine einfache Erklärung: Unser Körper hat sich an ein Leben in und mit der Natur angepasst, nicht an ein Leben davor. Die Sehnsucht nach dem Wald ist damit weniger romantische Schwärmerei als eine ziemlich nachvollziehbare Reaktion auf diesen Mismatch.
Der Wald im eigenen Urlaub statt nur in der Vorstellung
Statt der Sehnsucht nur nachzuhängen, lässt sie sich auch ganz praktisch stillen. HolidayCoaching bietet Waldbaden-Sessions direkt im Urlaub an, etwa in der Lüneburger Heide, begleitet von einem Coach vor Ort. Kein literarisches Bild mehr, sondern 60 bis 90 Minuten echte Zeit zwischen den Bäumen.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- Wikipedia: Biophilie-Hypothese nach Edward O. Wilson (1984), evolutionsbiologische Erklärung der Naturverbundenheit
- Wikipedia: Ursprung und literaturgeschichtliche Einordnung des Begriffs Waldeinsamkeit (Ludwig Tieck, Joseph von Eichendorff)
- Zusammenfassung von Studien zu erhöhter Aktivität natürlicher Killerzellen nach Waldaufenthalten (Yoshifumi Miyazaki)